WAHLFARBEN

Politische Gestaltung

Parteien und ihre Farben

Ein genauer Blick auf die Gestaltung verrät schnell, wie durchdacht der optische Auftritt deutscher Parteien ist. Das Zusammenspiel aus Hauptfarben, Kontrasten auf Plakaten und den Markenwelten der Jugendorganisationen folgt festen Strategien. Diese Übersicht ordnet Parteifarben, Koalitionsfarben und das politische Farbenspektrum in Deutschland und Europa ein.

Die Volksparteien und etablierten Kräfte

CDU

Die CDU lässt sich in Medien-Diagrammen nach wie vor am besten durch ein prägnantes Schwarz repräsentieren, um Verwechslungen auszuschließen. In ihrer eigenen Kampagnenwelt hat sich jedoch viel getan: Mit dem Rebranding dominieren das tiefblaue „Cadenabbia-Blau“ und ein sonniges „Kassner-Gelb“.

Auf Plakaten setzt die CDU auf gut lesbare weiße Schrift auf dunklem Grund, während die Junge Union (JU) traditionell gerne zu Orange, Schwarz und Weiß greift.

CSU

Ihre bayerische Schwester CSU wählt auf Bundesebene oft die gleiche dunkle Darstellung, präsentiert sich eigenständig aber im typischen Bayerisch-Blau. Ihre Plakate prägt ein starker Kontrast aus dunkelblauer Schrift auf weißem Grund oder umgekehrt.

Die Junge Union Bayern übernimmt dieses Schema weitgehend, baut aber gelegentlich frische Hellblau- oder Orange-Akzente für mehr Dynamik ein.

SPD

Bei der SPD dreht sich seit jeher alles um das klassische Rot. Damit Slogans sofort ins Auge stechen, nutzt die Partei auf Wahlplakaten bevorzugt weiße Schrift auf rotem Hintergrund.

Die Jusos bleiben diesem Markenkern treu, zeigen sich in ihren Layouts aber experimentierfreudiger und ergänzen das Rot gerne um Rosa, Magenta oder kräftiges Violett.

Bündnis 90/Die Grünen

Bündnis 90/Die Grünen setzen konsequent auf Grün – in Medien genauso wie auf Plakaten. Als Visitenkarte für Überschriften dient dabei traditionell ein sonnenblumengelber Schriftzug auf dunkelgrünem Grund.

Die Grüne Jugend geht optisch noch ein Stück weiter und kombiniert das typische Grün und Gelb oft mit grelleren Tönen wie Magenta, Mint oder Lila.

FDP

Die FDP besetzt in Grafiken verlässlich die Farbe Gelb. Auf ihren Werbemitteln fällt vor allem der harte Kontrast durch dunkelblaue oder magentafarbene Schrift auf gelbem Grund auf.

Die Jungen Liberalen (Julis) nutzen dieselbe Farbpalette, stellen das auffällige Magenta/Pink in ihren Social-Media-Auftritten aber meist noch deutlicher in den Mittelpunkt.

Die Linke

Die Linke weicht in Diagrammen meist auf ein Dunkelrot oder Purpur aus, um sich klar von der SPD abzugrenzen. Für Plakate setzt die Partei auf maximalen Kontrast mit weißer Schrift auf dunkelrotem oder schwarzem Hintergrund.

Die Linksjugend [’solid] unterstreicht ihren rebellischen Anspruch visuell durch Magenta, Schwarz und knallige Neon-Akzente.

Aufsteiger, Nischen- und Protestparteien

AfD

Die AfD wird in Medien durchgehend in Hellblau geführt. Auf ihren Wahlplakaten dominiert eine sehr klare, gut lesbare weiße Typografie auf blauem Grund, oft kombiniert mit roten Details.

Ihre Jugendorganisation, die Junge Alternative (JA), führt dieses Zusammenspiel aus Marineblau, Hellblau und Weiß unverändert fort.

Freie Wähler

Bei den Freien Wählern dreht sich alles um ein leuchtendes Orange. Auf ihren Plakaten dient meist Dunkelblau als ruhiger Hintergrund, von dem sich das Orange des Logos und die weiße Schrift deutlich abheben.

Die Jungen Freien Wähler übernehmen diese Optik eins zu eins.

Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW)

Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) fällt durch ein tiefes Dunkelviolett (Aubergine) auf. Um sich von der Konkurrenz abzuheben, nutzt das BSW auf Plakaten einen warmen Lachs- bzw. Korallton für Schriftzüge und Akzente. Eine eigenständige Jugendorganisation befindet sich derzeit noch im Aufbau.

Volt Deutschland

Volt Deutschland sticht mit einer Kombination aus Violett und Mintgrün hervor. Plakate arbeiten mit auffälliger weißer und mintgrüner Schrift auf purpurnem Grund. Die Volt Youth nutzt exakt dasselbe Corporate Design der Dachmarke.

Piratenpartei

Die Piratenpartei bleibt mit ihrer Signalfarbe Orange in Erinnerung. Wegen der oft textlastigen Botschaften wählt die Partei auf ihren Plakaten fast durchgehend weiße Schrift auf schwarzem oder orangefarbenem Grund. Die Jungen Piraten halten an dieser simpel strukturierten Farbwelt fest.

Die PARTEI

Die PARTEI parodiert die visuelle Politiksprache ganz bewusst mit einem Motiv-Mix aus Rot, Grün, Schwarz und Weiß. Ihre Schriften erinnern oft an klassische Zeitungsdrucke mit schwarzer Schrift auf grauem oder weißem Papier.

Ihre satirische Nachwuchsgruppe, die HintnerJugend, bedient sich bei den Grundfarben Rot, Gelb und Blau.

Tierschutzpartei

Die Tierschutzpartei nutzt ein dunkles Smaragdgrün, das von Medien oft als Türkis oder Blau-Grün aufgegriffen wird, um Verwechslungen mit den Grünen zu vermeiden. Auf Plakaten sticht meist gelbe oder weiße Schrift hervor.

Die Nachwuchsorganisation MUT-SYSTEM verwendet bevorzugt frische Töne wie Hellgrün, Sky-Blau und Weiß.

Die Farben der Koalitionen

Bei Koalitionen kommen zwangsläufig mindestens zwei Farben zusammen, und für die sich so ergebenden „Gemische“ haben sich feststehende Begriffe eingebürgert:

Klassische Zweier-Bündnisse

Große Koalition („GroKo“): Schwarz + Rot

Schwarz + Rot (CDU/CSU und SPD). Historisch das Bündnis der beiden großen Volksparteien.

Sozialliberale Koalition: Rot + Gelb

Rot + Gelb (SPD und FDP).

Schwarz-Gelb

Schwarz + Gelb (CDU/CSU und FDP).

Rot-Grün

Rot + Grün (SPD und Bündnis 90/Die Grünen).

Schwarz-Grün / Grün-Schwarz

Schwarz + Grün (CDU/CSU und Bündnis 90/Die Grünen).

Schwarz-Blau

Schwarz + Blau (CDU/CSU und AfD oder FPÖ in Österreich).

Dreier-Bündnisse nach Flaggen und Symbolen

Ampel-Koalition: Rot + Gelb + Grün

Rot + Gelb + Grün (SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen). Die Kombination entspricht den Farben einer Verkehrsampel.

Jamaika-Koalition: Schwarz + Gelb + Grün

Schwarz + Gelb + Grün (CDU/CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen). Die Farben entsprechen der Nationalflagge von Jamaika.

Deutschland-Koalition: Schwarz + Rot + Gelb

Schwarz + Rot + Gelb (CDU/CSU, SPD und FDP). Die Farben der deutschen Bundesflagge ( Schwarz-Rot-Gold).

Kenia-Koalition: Schwarz + Rot + Grün

Schwarz + Rot + Grün (CDU/CSU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen). Benannt nach der Flagge Kenias.

Sambia-Koalition: Schwarz + Grün + Orange

Schwarz + Grün + Orange (CDU/CSU, Bündnis 90/Die Grünen und Freie Wähler). Die Hauptfarben der Nationalflagge von Sambia.

Kiwi-Koalition: Grün + Schwarz

Grün + Schwarz (gelegentlich als Bezeichnung für Schwarz-Grün genutzt, in Anlehnung an die braun-schwarze Schale und das grüne Fruchtfleisch der Kiwi).

Linke und regionale Bündnisse

Rot-Rot-Grün („RRG“ / „R2G“)

Rot + Dunkelrot + Grün (SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen).

Brombeer-Koalition: Schwarz + Rot + Aubergine/Lila

Schwarz + Rot + Aubergine/Lila ( CDU, SPD und BSW). Der Begriff entstand 2024 nach den Landtagswahlen in Ostdeutschland: Die Mischung aus Schwarz, Rot und dem Dunkelviolett des Bündnis Sahra Wagenknecht erinnert optisch an die Farbnuancen von Brombeeren in verschiedenen Reifestadien.

Die politische Farbenlehre Europas

Der gemeinsame Nenner der europäischen Parteienlandschaft basiert auf historischen Farbtraditionen, die sich im 19. und 20. Jahrhundert durchgesetzt haben. Trotz vieler Parallelen gibt es aber bemerkenswerte Ausreißer.

Der europäische Standard

Auf europäischer Ebene, etwa im EU-Parlament, gilt in der Regel folgende Grundstruktur:

  • Rot: Sozialdemokratie und Linke (S&D, The Left).
  • Grün: Grüne Parteien und Ökologie (Greens/EFA).
  • Gelb / Orange: Liberalismus und politische Mitte (Renew Europe).
  • Blau: Konservative, Christdemokraten (EVP) und rechtspopulistische Kräfte (EKR, PfE).

Ist Blau immer rechts?

Größtenteils ja, aber mit wichtigen Nuancen:

Der Normalfall

Seit den britischen Tories symbolisiert Blau in Europa die politische Rechte und die Mitte-Rechts-Kräfte: Konservative, Christdemokraten, Wirtschaftsliberale und Rechtspopulisten.

Die Europa-Farbe

Da die Flagge der Europäischen Union blau ist, nutzen viele pro-europäische und zentristische Parteien quer durch das Spektrum Blau im Markenauftritt, zum Beispiel Macrons Renaissance in Frankreich oder Volt in Kombination mit Violett.

Der spiegelverkehrte US-Sonderfall

In den USA ist die Zuordnung im Jahr 2000 komplett gekippt: Die Democrats (links/liberal) nutzen Blau, während die Republicans (konservativ/rechts) für Rot stehen.

Ist Grün immer pro Klima?

Als Hauptfarbe fast immer, aber der Begriff „Grün“ wandelt sich:

Der Standard

Grüne Parteien wie EELV in Frankreich, Groen/Ecolo in Belgien oder Miljöpartiet in Schweden definieren sich primär über Umwelt-, Klima- und Sozialpolitik.

Agrar- und Zentrumsparteien in Skandinavien

In Schweden (Centerpartiet) oder Finnland (Keskusta) nutzen traditionelle Bauern- und Zentrumsparteien seit Jahrzehnten Grün als Hauptfarbe. Sie stehen historisch für den ländlichen Raum, vertreten oft wirtschaftsliberale Positionen und sind keine klassischen „grünen“ Klimaparteien.

Das österreichische Rebranding (ÖVP)

Die Österreichische Volkspartei (ÖVP) war jahrzehntelang als die „Schwarzen“ bekannt. Unter Sebastian Kurz vollzog sie ein Rebranding zu Türkis, einer Mischung aus Blau und Grün, und nutzt diese modernen Farbtöne als konservative Bürgerpartei.

Nennenswerte Ausreißer in Europa

Die „Schwarzen“ in D-A-CH

Während im Rest Europas Konservative Blau sind, war in Deutschland und Österreich Schwarz die traditionelle Farbe der Christdemokratie, abgeleitet von Priesterkleidung und Katholizismus.

Großbritannien (Liberal Democrats)

Während europäische Liberale oft Gelb nutzen, ist die Farbe der britischen Liberal Democrats ein leuchtendes Sonnengelb/Gold/Orange, das sich stark von den blauen Tories und der roten Labour Party abhebt.

Irland (Fianna Fáil und Fine Gael)

In Irland orientiert sich die Farbwahl weniger an europäischen Ideologien als an den irischen Nationalfarben Grün, Weiß und Orange. Sowohl die Mitte-Rechts-Partei Fine Gael (Blau/Grün) als auch Fianna Fáil (Grün/Orange) nutzen grüne Töne aus patriotischen Gründen.

Ungarn (Fidesz)

Viktor Orbáns rechtskonservative Partei Fidesz nutzt Orange als Hauptfarbe. In Westeuropa steht Orange fast ausnahmslos für zentristische, liberale oder christdemokratische Kräfte.

Warum Rot und Blau in den USA vertauscht sind

Ein medialer Zufall wird politische Tradition

Dass die politische Farbwelt der USA heute spiegelverkehrt zu fast allen anderen Demokratien verläuft, ist das Resultat eines rein medialen Zufalls: Bis zur Jahrtausendwende existierten in den USA schlichtweg keine offiziellen Hausfarben für die beiden großen Parteien. Die führenden Fernsehsender nutzten bei Präsidentschaftswahlen jahrzehntelang völlig unterschiedliche und wechselnde Grafikeinstellungen. Mal färbte ein Sender die Demokraten in Anlehnung an die europäische Sozialdemokratie rot und die Republikaner blau, mal machte ein Konkurrenzsender es genau umgekehrt, und wieder andere wechselten die Farben von Wahl zu Wahl einfach ab.

Den historischen Wendepunkt markierte die Präsidentschaftswahl im Jahr 2000 zwischen George W. Bush und Al Gore. In dieser Wahlnacht hatten sich fast alle großen US-Sender zufällig auf dasselbe Schema geeinigt, maßgeblich getrieben durch einprägsame Alliterationen und Eselsbrücken der TV-Grafiker: Red for Republican (beides mit dem Anfangsbuchstaben „R“) und Blue for Democrat. Als die Auszählung in Florida in ein wochenlanges Drama überging, starrten Millionen Amerikaner tagelang ununterbrochen auf dieselben TV-Grafiken. Die Begriffe „Red States“ für konservative Hochburgen und „Blue States“ für liberale Regionen brannten sich dadurch schlagartig in den Sprachgebrauch der Bevölkerung ein.

Obwohl die Demokraten wegen der historischen Nähe der Farbe Rot zur internationalen Arbeiterklasse anfangs zögerten, übernahmen beide Parteien schließlich das Diktat der TV-Landschaft. Heute ist diese Farbwelt aus der US-Politik nicht mehr wegzudenken. Begriffe wie „Purple States“ für umkämpfte Bundesstaaten oder „Red Waves“ und „Blue Waves“ bei Kongresswahlen zeigen eindrucksvoll, wie aus einer pragmatischen Farbwahl amerikanischer Fernsehanstalten eine global verstandene Marke für konservativ und liberal wurde.